Erstens Hoch 2

Wut klebt – schrecklich!

Rache schmeckt weder kalt noch süß 

Betrogen werden ist mies. Trennungen sind mies. Der Glaube an die Unverbrüchlichkeit der eigenen Partnerschaft ist verloren, alle Investitionen in Vertrauen und Zuversicht dahin. Für viele Menschen bedeutet das auch, dass ihr Welt- und Selbstbild den buchstäblichen Bach hinunter gegangen ist. Sie sind von der Selbstüberzeugung “Ich bin etwas wert, weil ich geliebt werde – und ich werde geliebt, weil ich etwas wert bin” ins tiefe Tal von “Ich wurde fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel und bin das Allerletzte” abgestürzt. So kann man selbstverständlich nicht weiter leben. Die Ordnung muss wieder hergestellt werden. Sei es dadurch, dass der gemeine Expartner nun seinerseits niedergemacht wird, damit er auch etwas zu leiden hat oder ihm klar wird, dass auch er nur ein Mensch mit Empfindlichkeiten ist. Auf die eine oder andere Weise sorgt die Verletzung des Feindes offenbar für Erleichterung

Man nennt es Rache. Ob man dem anderen das Auto zerkratzt, die Katze vergiftet oder beim Finanzamt anzeigt, oder ob man ihn, wie in der “Politik” des Nahen Ostens direkt in die Luft sprengt: Rache soll mickrige Selbstkonzepte aufwerten und Gerechtigkeit wieder herstellen. Zu dumm nur, dass diejenigen, die diese Rache erleiden, meist mit  der Strafe gar nicht einverstanden sind. Sie fühlen sich ihrerseits herabgesetzt und sinnen auf – na? Wiederherstellung der Gerechtigkeit:Rache.

Rache klebt. Sie verfolgt den Rächer ebenso wie das Opfer der Rache. Sie verhindert neue positive Beziehungen und hoffnungsvolle Neuanfänge. Deswegen macht es beispielsweise überhaupt keinen Sinn, in der Phase ausgeprägter Rachegelüste den oder die Ex mit einem neuen Partner zu ärgern. Die neue Partnerschaft leidet darunter fast noch mehr als der gelungene Abschluss der alten. 

Wut klebt ganz fürchterlich. Sie klebt an einem selbst, an dem neuen Partner, sie ver-klebt auch mit dem alten Partner, den man doch eigentlich mit Schimpf und Schande aus dem Leben hatte jagen wollen. Deswegen ist es ausgesprochen wichtig, mit dem Ex eine wie auch immer geartete Version von Frieden zu finden, bevor man sich einem neuen Menschen zuwendet. Hier heißt es oft: „Man muss dem Ex verzeihen!“. Verzeihen ist aber immens schwierig. Um einem Menschen, der uns verletzt hat, von Herzen zu verzeihen, brauchen wir eine Menge Energie, wenn wir nicht gerade als buddhistischer Yogi auf die Welt gekommen sind. Diese Energie steht uns direkt nach einer Trennung nicht zur Verfügung. Wir müssen wohl oder übel die Phasen der Trennung durchlaufen, wenn wir uns auf etwas Neues unbelastet einlassen wollen.

Trennungsphasen:

  1. Schock / Ungläubigkeit: Wie nach einem Unfall verspürt man in der ersten Trennungsphase zunächst keinen Schmerz, denn man will nicht glauben, dass es wirklich passiert ist. Das Ausmaß der Verletzungen ist dem Verlassenen nicht klar. Er denkt immer noch, alles möge nicht so schlimm sein, bis er wieder weitermachen will und merkt, dass es einfach nicht geht.
  2. Verletzungen spüren: Nun folgt eine Phase der Trauer und des Schmerzes. Plötzlich wird einem klar, wie ramponiert und beschädigt man ist. Neben all den Schmerzen erfasst viele eine bodenlose Trauer und das Gefühl, dass es niemals wieder gut werden könne.
  3. Wut: Die Verletzungen heilen nicht und tun jeden Tag gleich weh. Wer ist schuld daran? Der Ex-Partner. Er hat einem diese Pein angetan, er ist das Böse schlechthin. Rachepläne entstehen in dieser Phase, viele beginnen die berühmten Rosenkriege.
  4. Akzeptanz: nach einiger Zeit stellt man eher beiläufig fest, dass nicht mehr alle Wunden gleich weh tun und manche  schon fast verheilt aussehen. Zuversicht kommt auf, dass auch die anderen Verletzungen irgendwann abgeheilt sein werden. Pläne werden wieder gefasst, neue Perspektiven entwickelt.

In welcher Phase stecken Sie gerade? In einer der ersten drei? Dann vergessen Sie´s. baden Sie im Herzeleid, lassen Sie Wir und Trauer freie Bahn und warten Sie ab, bis  Sie sich von der Stelle bewegt haben und bei Stufe 4 angekommen sind. Wenn Sie sich vorstellen können, mit dem Expartner wieder Kaffee trinken zu können ohne ihn direkt zum Zurückkommen zu überreden oder zu enthaupten, haben Sie es geschafft. Sie können sich auf neue Menschen einlassen. 

Wie man den Partner loslässt, dazu gibt es hier einige sehr wertvolle Tipps von meinem Kollegen Moritz Bauer:

erstens-hoch-zwei.de

http://www.selbstbewusstsein-staerken.net

Stephanie Katerle | 03. Juni 2014
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