Erstens Hoch 2

Advent, Advent, die Liebe brennt: Terror unterm Tannenbaum

“Es hat “Puff” gemacht! Wie der Beziehungsfrieden zwischen Gans und Glühwein verdampft

Unser Zusammenleben ist von vielen Konventionen, also unausgesprochenen Vereinbarungen, geprägt. Zu Weihnachten werden solche Konventionen besonders spürbar. Gemeinsame Traditionen werden kultiviert, es wimmelt nur so vor Symbolen der Verbundenheit. Nicht umsonst nennt man es das „Fest der Liebe“. Wer dieses Fest zusammen feiert, zeigt der Welt, wen er liebt, wie sehr geliebt und wie diese Liebe bewiesen wird. “Show for customer” nennen manche meiner Klienten dieses Spektakel. Das Beginnt bei den Geschenken und endet bei den manchmal hysterisch verteidigten Weihnachtstraditionen. Geht´s Ihnen auch so? 

Geschenke, Geschenke… am besten kolossal inspiriert, teuer und absolut originell:

„Überrasch mich!“ – ein Satz, der Manchen zu Weihnachten den Angstschweiß auf die Stirn treibt. Nicht nur viele Männer sind sich nämlich zutiefst unsicher, ob ihre Überraschung beim Anderen gut ankommt oder ob man den Geschmack des Partners richtig eingeschätzt hat.  Sie finden Gutscheine langweilig? Ich auch. Statt sich aber immer wieder zu ärgern, dass ihr Partner / Ihre Partnerin Ihnen die Wünsche nicht von den Augen abliest, sollten Sie sich fragen, warum er nicht ahnt, was Sie wirklich wollen. Wie oft sprechen Sie über Ihre Wünsche aneinander? Ist das Geben und Nehmen auch sonst ein Thema in Ihrer Beziehung? Wer von ihnen spricht seine Bedürfnisse konkret aus und wer macht lieber Andeutungen? Um sicher zu bekommen, was Sie wollen, müssten Sie ihre/n Liebste/n ganz unromantisch vorab konkret informieren. Vielleicht ist es aber eine bessere Idee, sich gemeinsam zu beschenken. Planen Sie doch zusammen eine schöne Unternehmung und legen Sie diese unter den Baum. So kommen Sie miteinander ins Gespräch und tun etwas für Ihre Liebe.

Lichterketten und Lametta: Wenn der Zank um in Liebe bewahrte Traditionen den Weihnachtsfrieden erstickt.

Aus unseren Herkunftsfamilien nehmen wir zahllose Angewohnheiten und Traditionen mit. Manche sind enorm nützlich, andere ein bisschen albern. In einer Partnerschaft entwickeln wir im Alltag gemeinsame Gewohnheiten und Traditionen, die täglich erprobt und eingeschliffen werden. Weihnachtstraditionen aber tauchen nur einmal jährlich für kurze Zeit auf und sind deswegen noch im Zustand der Kindheit konserviert. Das macht sie so bedeutsam, wir bewahren Teile unserer Identität mit ihnen. Darum streiten wir auch so heftig um sie. Manchmal scheint es fast so, als sei der Streit um die Lichterkette bereits zu einer eigenen gemeinsamen Weihnachtstradition geworden. Können Sie das mit Humor nehmen? Wenn nicht, empfehle ich, dass Sie sich zusammen auf positive gemeinsame Traditionen besinnen oder solche zusammen entwickeln. Bis sie sich etabliert haben, kann man die widerstreitenden kindlichen Impulse vielleicht mit einer Regelung wie „Dieses Jahr ich, nächstes Jahr du“ besänftigen.

Territorium und Hege: Wer besucht wen? Und dürfen alte Angehörige immer Hof halten?  

Muss man als erwachsenes Kind der Eltern immer zu ihnen fahren oder darf man erwarten, dass diese sich bewegen, auch wenn sie vielleicht krank sind? Darf man sie an Heilig Abend allein lassen? Mit dieser Frage berührt man philosophische Themen. Ab wann besteht die moralische Verpflichtung, sich den Gegebenheiten zu fügen? Zehn Jahre vor Mutters Tod? Fünf Jahre? Wie lange feiern Sie schon aus einem diffusen Pflichtgefühl heraus mit Ihrer Mutter? Kann Sie wirklich nicht mehr reisen oder erwartet sie als Mutter selbstverständlich, dass ihre „Kinder“ zu ihr kommen?  Vielleicht beschäftigen Sie sich mit der Hilfsbedürftigkeit oder gar dem nahenden Tod Ihrer Mutter oder Ihres Vaters und vielleicht haben Sie ein schlechtes Gewissen, weil Sie daran denken, dann von einigen Pflichten befreit zu sein. So werden widersprüchliche Gefühle in Ihnen geweckt, die so gar nicht zum Gedanken vom Fest der Liebe passen wollen. Etwas Pragmatismus hilft: Können Sie Ihre Eltern abholen und bei sich zu Hause feiern oder sich mit Geschwistern abwechseln? Wenn nicht, genießen Sie bewusst die gemeinsame Zeit bei ihr. Im nächsten Jahr haben sie die Gelegenheit, mit Mutter oder Vater ein paar längst überfällige Gespräche zu führen, Ihre Gedanken zu sortieren und Klarheit zu schaffen.

 

An Weihnachten wird abgerechnet: Wer schenkt wem wie viel und wie viel Konsum vertragen Kinder?

Dürfen Oma und Opa schenken, so viel sie wollen? Darf der Exmann eine Carrera-Bahn unter den Baum legen oder ist das Bestechung in einem Umfeld, das von reinen Gefühlen und wahren Liebesbeweisen geprägt sein sollte? Manche Eltern kratzen jedem die Augen aus, die außer ihnen noch großzügige Geschenke machen. Geht es hier um das Wohl der Kinder oder um das der Eltern? Die Jüngsten haben meist ein feines Gespür dafür, wie Erwachsene ihre Zuneigung zeigen und sind erstaunlich unbestechlich. Der Konflikt besteht also auf der Seite der getrennten Eltern. Da ist ein Vater der sich durch Geschenke buchstäblich „präsent“ machen und seine Abwesenheit in der Familie durch teure Geschenke kompensieren will und eine Mutter, die sich in einem Wettbewerb um die Liebe der Kinder sieht. Beide Eltern geben ihren Kindern das, was ihnen lieb (und teuer) ist: Liebe, Fürsorge und Geschenke. In der Summe bekommen die Kinder offenbar genug von allem. Wem ginge es also besser, wenn die Geschenke des Vaters kleiner ausfielen? Hier sind einige Gespräche zwischen Ihnen als Eltern dringend nötig. Seine Hilflosigkeit, den Kindern seine Liebe auch auf immaterielle Weise zu zeigen, Ihre offenen Rechnungen mit ihm und besonders die gemeinsame Verantwortung für die Kinder brauchen als Thema ihren Platz – auch bei getrennt lebenden Eltern und am besten erst nach Weihnachten. Was Oma und Opa angeht: Sie dürfen schenken, bis der Gabentisch zerbricht. Wenn Sie selbst Ihre Kinder nicht verwöhnen, darf es ruhig jemand anderes tun. Hier können Sie Großzügigkeit zeigen, indem Sie Großzügigkeit zulassen.

Allen Lesern wünsche ich frohe Weihnachten und wem´s zu bunt wird: In vielen anderen Ländern der Welt ist der 24.12. ein Tag wie jeder andere. Kein Grund zur Aufregung! 

Advent, Advent, die Liebe brennt: Terror unterm Tannenbaum

 

Stephanie Katerle | 22. Dezember 2013
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